Hühnerfleisch: Haltungsauswirkungen und Medikamenteneinfluss

Animal Police Allgemein

Da Ihr nun schon von Isabel etwas zum Rindfleisch erfahren habt geht es bei mir mit dem Hühnerfleisch weiter.

 

Haltungsart & -weise

Käfighaltung (mit einer 3 gekennzeichnet)

Die Käfighaltung wird gerne auch Kleingruppenhaltung genannt, gemeint ist aber dasselbe: Größere Käfige, in denen meist bis zu 60 Tiere eingesperrt und die nur mit einem Platz zur Eiablage, einer Art Scharrbereich und einer Sitzstange ausgestaltet sind. Jedes Huhn hat gerade mal die Fläche eines Din-A4-Blattes Platz zur Verfügung. Über fünf Millionen Hennen mussten 2013 in dieser Haltungsform auf Drahtgitterböden leben, die sich in die Fußballen der Tiere drücken und zum Teil schwere Entzündungen und Schmerzen hervorrufen. Eier, die in Produkten wie Nudeln oder Fertiggerichten verarbeitet sind, stammen meist aus dieser Käfighaltung. Es reicht also nicht, abgepackte Käfigeier zu vermeiden.

 

Bodenhaltung (mit einer 2 gekennzeichnet)

Bodenhaltung klingt erst mal fair, bedeutet aber laut EU-Verordnung, dass sich neun Hennen einen Quadratmeter teilen. 64,5 Prozent der Hennen lebten 2013 in dieser engen Haltungsform. Dabei sind mehrere Ebenen erlaubt, sodass auf der gleichen Grundfläche oft wesentlich mehr Tiere untergebracht sind. Genau wie in der Käfighaltung picken sich die Hennen, trotz abgetrennter Schnabelspitzen, gegenseitig die Federn heraus, was unter anderem mit der Züchtung, falscher Fütterung, Stress, Platzmangel, Bewegungsmangel und Langeweile zu tun hat.

 

Freilandhaltung (mit einer 1 gekennzeichnet)

In der Freilandhaltung hätten sie theoretisch die Möglichkeit, nach draußen zu gehen. Leider werden die Ausläufe von den Tieren jedoch oft nicht angenommen, da sie bewusst nicht mit schützenden Dächern, Büschen oder Ähnlichem ausgestattet sind. Als Fluchttiere fürchten Hühner unter freiem Himmel Fressfeinde aus der Luft oder am Boden und wagen sich daher oft nicht ins Freie. Im Stall haben sie allerdings nicht mehr Platz als in der Bodenhaltung. Auch hier stehen sie auf Gitterböden wodurch sich die Fußballen der Tiere entzünden.

 

Biohaltung (mit einer 0 gekennzeichnet)

8,4 Prozent der Hennen leben in ökologischen Erzeugungen, wo Ausläufe zwar garantiert werden müssen, bei schlechten Witterungsverhältnissen jedoch geschlossen werden. Die Vorstellung vom „Bio-Huhn“ auf der grünen Wiese stimmt also eigentlich nicht. Auch in der Bio-Haltung müssen sich im Stall sechs Tiere einen Quadratmeter teilen und ihre Schnäbel können kupiert werden. Die Hennen stammen aus den gleichen Brütereien und sterben in den gleichen Schlachthäusern wie die aus anderen Haltungssystemen. Auch in der ökologischen Haltung werden mehrere Tausend Hühner in einem Stall gehalten und picken sich gegenseitig blutig.

 

Medikamente mit ihrer Auswirkung auf die Fleischqualität und die Herkunft

Jedes zweite Hähnchen aus den drei EU-weit größten Geflügelbetrieben ist laut einer Studie mit antibiotikaresistenten Erregern belastet. 51 Prozent der untersuchten Fleischproben wiesen „Resistenzen gegen ein oder sogar gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig“ auf, eine Umweltorganisation in Berlin mitteilte. Bei jeder dritten Probe wurden demnach Resistenzen gegen Reserveantibiotika gefunden. Daraufhin forderten Sie die EU auf, diese Notfall-Antibiotika in der Tierhaltung zu verbieten.

Die Organisation hatte insgesamt 165 Hähnchenfleischproben der Geflügelkonzerne der EU untersuchen lassen: Sie stammten vom deutschen PHW-Konzern, dem unter anderem die Marke Wiesenhof gehört, sowie die LDC in Frankreich.

Die Proben des PHW-Konzerns aus Deutschland waren demnach mit einer Kontaminationsrate von 59 Prozent am häufigsten belastet. Bei LDC waren insgesamt 57 Prozent der Proben kontaminiert. Resistenzen gegen Reserveantibiotika traten außerdem bei Proben des deutschen Konzerns besonders häufig auf, weswegen die Belastungsrate bei 45 Prozent lag.

Reserveantibiotika sollen dann zum Einsatz kommen, wenn herkömmliche Antibiotika beim Menschen aufgrund von Resistenzen nicht mehr wirken. Der „massive Antibiotikaeinsatz insbesondere in der industriellen Tierhaltung“ ist neben der Ansteckung in Krankenhäusern und nicht fachgerechten Anwendungen von Medikamenten maßgeblich für die Zunahme solcher Resistenzen. Demnach sterben europaweit jährlich 33 000 Menschen, weil Antibiotika nicht anschlagen.

Die Hähnchen, die in der Studie untersucht wurden, stammten aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Polen und Spanien.

 

Kritik

Im Großen und Ganzen, kann ich aus meiner Sicht sagen, dass ich persönlich Hühnerfleisch weiter konsumieren werde, weil es für mich eine große und wichtige Proteinquelle ist. Allerdings werde auch ich zukünftig deutlich mehr darauf achten, woher das Fleisch tatsächlich kommt.

Aber das ist jedem selbst überlassen. Ich heiße nichts gut was die Fleischindustrie mit den Tieren macht, da diese sehr unter den schlechten Haltungsbedingungen und der Antibiotikabelastung leiden. Und ich es absolut befürworten würde, wenn gewisse Standards, durch die EU zur Pflicht werden.

 

 

Quellen:
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.antibiotika-in-huehnerfleisch-antibiotikaresistente-keime-auf-jedem-zweiten-mast-haehnchen.9addd6b5-79fb-4a67-b020-eac17dc77633.html
https://www.petazwei.de/so-sehen-die-verschiedenen-haltungsformen-bei-huehnern-aus